Annemirl Bauer

© VG BILDKUNST 2021/ Privatarchiv
1939 – 1989 / ostdeutsche Malerin & Regimekritikerin
„Frauen, wenn wir heute nichts tun, leben wir morgen wie vorgestern“
Annemirl Bauer

Als Tochter der Malerin Tina Bauer-Pezellen und dem Bauhaus-Fotografen Siegbert Bauer wuchs Annemirl Bauer in Weimar auf, studierte u. a. an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee, arbeitete als freischaffende Malerin und Grafikerin und starb kurz vor dem Mauerfall 1989 nach jahrelangen sogenannten „Zersetzungsmaßnahmen“ der Staatssicherheit in Ostberlin.

Annemirl Bauer »Die Eingeschlossene«, 1984
© VG BILDKUNST 2021/ Privatarchiv
Weibliches und Weltliches

Zeitlebens malte sie aus ihren eigenen Befindlichkeiten schöpfend Weibliches und zugleich Weltliches. Sie thematisierte in ihren Bildern alleinerziehende Mütter, festgefahrene Rollenbilder von Mann und Frau, Umweltzerstörung, Eingrenzung in mehrfachem Sinne – als Frau, als durch Schwerhörigkeit Eingeschränkte, als Bürgerin eines Landes, das sie nicht in die Welt hinaus ließ – die männliche Sprache, die Mauertoten an der innerdeutschen Grenze.

Annemirl Bauer »Emma gewidmet«
© VG BILDKUNST 2021/ Privatarchiv
Das verborgene Lebenswerk

Sie träumte von einer weiblicheren Regierung und von einem Leben in unzerstörter Natur. Mit Hoffnung darauf flüchtete sie nach ihrem Ausschluss aus dem Künstlerverband der DDR und nachfolgendem Arbeitsverbot schließlich aufs Land in den Niederen Fläming ins selbstgewählte Versteck, um der ständigen Überwachung zu entkommen. Dieses Versteck wirkt, wenn auch unter anderen Vorzeichen, leider bis heute. Hier wartet der künstlerische Schatz – ihr Lebenswerk – zu großen Teilen nach wie vor darauf, gehoben zu werden.

Annemirl Bauer »Adam und Eva«, 1984
© VG BILDKUNST 2021/ Privatarchiv
Erste Wahrnehmung

Einige Bilder sind bereits der Öffentlichkeit zugänglich: Die Kunstsammlung des Bundestages zeigt dauerhaft das Berlin-Triptychon „Der Himmel über Berlin ist unteilbar“, die Humboldt Universität präsentiert langfristig zwei großformatige Wandbilder der Ostberliner Malerin „Die männliche Herrlichkeit Gottes“, 1988, Öl/Collage auf Teppich und das zweiteilige Wandbild „Fliegendes Pferd“, 1981. Jüngst zeigte die Dresdner Kunstsammlung u. a. Bilder von Annemirl Bauer in der Ausstellung „Medea muckt auf – Radikale Künstlerinnen hinter dem Eisernen Vorhang“ in Los Angeles. Eine wissenschaftliche Gesamterfassung des Lebenswerkes steht jedoch noch aus.

 

Vielen Dank an Amrei Bauer für die Bereitstellung dieses Textes