Charlotte Berend-Corinth

Charlotte Berend Corinth im Berliner Atelier ca. 1908
Public domain, via Wikimedia Commons
1880 – 1967 / Malerin der Berliner Secession
„Wenn ich zurückdenke, wie ich es stets durchgesetzt hatte zu malen, trotz Schwangerschaft, trotz Wirtschaft, Kochen jahrelang, Modell stehen, […]. Und immer ruft die innere Stimme: Gib dich nicht auf!“
Charlotte Berend-Corinth
Der Weg zur Malerin

Charlotte Berend wird 1880 in Berlin in eine jüdische Familie geboren. Ihre Leidenschaft für Kunst, sowie ihr Talent werden früh erkannt und ihr wird ein Studium an der Kunstakademie möglich gemacht. Nach einer finanziellen Notlage, wie dem Suizid ihres Vaters muss sie die Schule wechseln und trifft als Schülerin 1901 auf den Maler Lovis Corinth. Ihre künstlerische Laufbahn ist, wie bei so viele Frauen, von ihrer Rolle als Modell und Schülern eines männlichen Malers geprägt. Berend-Corinth steht für ihren Ehemann, den sie 1904 heiratet, Modell und er fertigt rund 80 Gemälde von ihr an. In seiner gesamten Schaffenszeit zeigen sie nur drei als Künstlerin. 

Die grüne Wiese. St. Ulrich, Tirol (1911)
© Harvard Art Museums/Busch-Reisinger Museum, The Arthur Kraft Collection, Gift of Mr. and Mrs. F.F. Beer
Berliner Secession, Wehen und die schwere Stunde

Neben vielen anderen Frauen, wie Käthe Kollwitz, wird die Malerin 1906 Teil der Berliner Secession. Sie gibt sich verschiedenen Genres hin und überzeugt zum Beispiel mit Gemälden, die die Theaterszene Berlins im frühen 20. Jahrhunderts repräsentieren. Ein Jahr vor der Geburt der Tochter ist ihr Ehemann erfolgreicher denn je und auch Charlotte Berend-Corinth malt zeitgleich eines ihrer bekannteren Werke. Die schwere Stunde im Jahr 1908: das recht untypische Bild für die Zeit, zeigt eine Frau inmitten einer Geburt und zwei Hebammen, welche sie unterstützen und halten. Ihr Körper scheint verkrampft und das Gesicht voll Schmerz. Die Künstlerin porträtiert die Szene einer Frau, weit weg von Idealisierung, dafür voller Stärke und Authentizität. 1908 ist auch das Jahr in dem die Malerin in ihrer ersten Ausstellung überzeugen kann. 

Malen trotz allem

Nachdem die Künstlerin Lovis Corinth heiratet, kümmert sie sich um vielerlei Tätigkeiten. Sie bringt zwei Kinder zur Welt und unterstützt ihren Mann gesundheitlich, künstlerisch und auch geschäftlich. Dazu kommen die erwarteten Aufgaben als Hausfrau und das Modell-Stehen für ihren Mann. Während Berend-Corinth zum Zeitpunkt der Schweren Stunde noch vollkommen Malerin ist, wird sie ab der Geburt des 1. und 2. Kindes, sowie Lovis´ Schlaganfall immer mehr die Rolle als Mutter und Pflegerin übernehmen. 

Trotz allem will sie sich nicht aufgeben und bleibt durch und durch Künstlerin. Dank Unterstützung von Hauspersonal wurde der Künstlerin immer wieder eine gewisse Freiheit gegeben, sich der Malerei hinzugeben. 

„Manche Menschen meinen, ich wolle so malen wie er! Wie niedrig sie mich einschätzen!“
Charlotte Berend-Corinth
Nationalsozialismus und die USA

Nachdem ihr Ehemann 1925 stirbt, widmet sie sich wieder mehr der Kunst. Berend-Corinth setzt sich aktiv für den Fortbestand der Berliner Secession ein und gründet eine eigene Malschule. Darüber hinaus kümmert sie sich um die Werkverzeichnisse ihres Mannes. Neben Deutschland ist sie auch in anderen Ländern aktiv und stellt ihre Werke in den USA aus. Als Jüdin ist sie 1939 jedoch dazu gezwungen sich dort mit ihren Kindern ins Exil zu begeben, um dem Nationalsozialismus zu entkommen. In den Vereinigten Staaten malt sie weiterhin über die Genre-Grenzen hinaus. Ihr Oeuvre ist geprägt von Landschaften, Stillleben und Porträts. 

Portrait of Dr. Georg Zondek (1931)
© Harvard Art Museums/Busch-Reisinger Museum, Gift of Thomas Corinth
Auf Augenhöhe mit dem Modell

Der Mann der Künstlerin inszeniert sich und Charlotte Berend-Corinth mit einem Glas in der einen und ihrer nackten Brust in der anderen Hand. Während sich männliche Künstler gerne in den Vordergrund rücken und das Modell bloß eine Art Objekt im Bild darstellt, geht Charlotte Berend-Corinth die Sache anders an: in ihrem Selbstbildnis mit Modell (1931) malt sie sich und eine nackte Frau. Beide schauen die Betrachtenden an. Das Modell steht in diesem Fall sogar über der Künstlerin, während diese sitzt. Die andere Person wirkt nicht abwesend, ganz im Gegenteil. Es scheint, als wurden nicht Meisterin und Muse gemalt, sondern zwei Frauen bei der Arbeit und auf Augenhöhe.